Bilderdiebstahl ist keine Bagatelle, so der Tenor in den einschlägigen Foren. Meiner Meinung nach ist aber nicht jede ungefragte Nutzung eines Fotos gleich ein Delikt, dass juristisch verfolgt werden sollte.

Ich kann mich an eine Sache erinnern, die vor Jahren im Forum der Model-Kartei heftig diskutiert wurde. Auf einem Blog wurden viele Fotos gezeigt, die zum Teil in der Model-Kartei publiziert wurden. Die betroffenen Fotografen ereiferten sich, irgendwann wurde die Idee einer Sammelklage aufgeworfen und so weiter… das ganze war abstrus, denn der Blog wurde von einem jungen Mädchen im Poesie-Album-Alter geführt. Die Fotos wurden ausnahmslos zur Illustration von Gedichten genutzt. Netterweise hat die junge Betreiberin zu jedem Foto einen Link zum Ursprung hinzugefügt und den Namen des Fotografen/der Fotografin angegeben. Ich habe auch eines meiner Fotos auf diesem Blog gefunden. Unternommen habe ich nichts, denn welcher Schaden ist mir entstanden? Richtig, gar keiner. Es sei denn, die ungefragte Nutzung meines Fotos in einen harmlosen Blog von einem jungen Mädchen hätte mein Ego angekratzt. Hat es aber nicht. Ergo ein klarer Fall von Bagatelle!

Anders sieht es aus, wenn ein Bilderdiebstahl kommerziellen Zwecken dient. Wenn also beispielsweise ein Online-Shop mein Foto nutzt oder eine Unternehmens-Seite mein Foto irgendwo eingebaut hat. Ist beides schon vorgekommen. In einem solchen Fall sollte man die Verhältnismäßigkeit abwägen. Wenn ich zum Beispiel einen eBay-Händler dabei erwische, dass er eines meiner Fotos für seine Artikel verwendet und dieser Artikel für einen guten Umsatz sorgt, dann werde ich ganz sicherlich nicht mehr freundlich darauf hinweisen, dass er einen Urheberrechtsmissbrauch begangen hat. Andernfalls, wenn der mir zugefügte Schaden kaum ersichtlich ist, dann werde ich den Bilderdieb schlicht auf juristische Konsequenzen hinweisen, wenn er das Foto nicht umgehend löscht.

Es ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Oder anders ausgedrückt: Man sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Wie erkenne ich nun einen Bilderdiebstahl?

Ganz grundsätzlich funktioniert die Google Bildersuche recht gut. Man benötig dazu lediglich einen Browser. Nach dem Aufruf klickt man einfach auf das kleine Kamerasymbol:

Google Bildersuche
Google Bildersuche

 

Dadurch gelangt man zu folgender Eingabemaske:

Eingabemaske bei der Google Bildersuche
Eingabemaske bei der Google Bildersuche

 

Hier kann man dann entweder eine URL, also eine Internet-Adresse zu dem zu suchenden Bild eingeben, oder aber das gesuchte Bild hochladen. Ich habe das mal mit einem der Foto aus dem Blog ausprobiert, mit folgendem Ergebnis:

Ergebnos einer Bildsuche mit Google
Ergebnis einer Bildsuche mit Google

 

Das Foto wurde im Blog und bei 500px.com gefunden. Beides wurde von mir hochgeladen, also alles in Ordnung. Ich stelle mir nur die Frage, wie zuverlässig ist die Google Bildersuche wirklich? Das erste Suchergebnis ist merkwürdig. Das Foto, dass ganz eindeutig eine Kokospalme an einem Strand zeigt, wurde meinem Foto Halong Bucht zugeordnet?!

Um die Suche mit Google zu vereinfachen, kann man auch einfach ein entsprechendes AddOn für den Browser installieren. Beispielsweise Search by Image for Google für den Firefox oder für Chrome das Tool Search by Image (by Google).

Eine Alternative zur Google Bildersuche ist tineye.com. Tineye.com funktioniert im Grunde wie Google durch eine Reverse Image Search. Auch für tineye.com gibt es Browser-Plugins.

Was tun, wenn meine Bilder ungefragt genutzt werden?

Gute Frage! Wie eingangs erwähnt, sollte man immer etwas Fingerspitzengefühl zeigen. Also nicht gleich die juristische Keule schwingen, sondern die Vorgehensweise abwägen. Wenn man allerdings seine Rechte tatsächlich durchsetzen möchte, dann bleibt einem der Gang zu einem Fachanwalt kaum erspart. Das allerdings kostet Geduld und vor allem Geld! Denn, so ein Verfahren kann Monate dauern und man muss in Vorleistung treten, der Anwalt möchte schließlich seine Arbeit vergütet haben.

Seit einiger Zeit gibt es aber alternativen. Zum Beispiel mit bilderdiebstahl.de. Mit einer (derzeit) kostenlosen Registrierung kann man dort seine Fotos hochladen und auf eBay suchen lassen. Wird ein Urheberrechtsverstoß entdeckt, kann man bilderdiebstahl.de beauftragen, gegen den Verstoß vorzugehen. Allerdings hat dies einen Haken. Man tritt die Rechte an dem Foto ab und erhält pauschal 40,- Euro. Wenn auf einer Seite weitere Fotos unrechtmäßig genutzt werden, erhält man für jedes weitere Foto 10,- Euro. Jetzt kann man sich überlegen, ob man die 40,- Euro nimmt und die Angelegenheit abhakt, oder ob man selbst (mit allen Risiken) gegen den Bilderdieb vorgehen möchte.

Fazit: Keep Cool! Erst denken, dann handelt!

Habt ihr eigene Erfahrungen mit Bilderdiebstahl gemacht?

Bilderdiebstahl – Bagatelle oder Streitfall?

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3 Gedanken zu „Bilderdiebstahl – Bagatelle oder Streitfall?

  1. Hallo zusammen,
    ich bin mit Franks Ideen nicht so ganz einverstanden. Er formuliert seine Gedanken dahingehend, dass über “rot” fahren ok ist, wenn nichts weiter passiert. Das ist ein wenig “zuwenig”. Warum sollte man es dulden und die Diebe gewähren lassen, wenn man einen Bilderklau entdeckt und aufdeckt? Warum sollte man es dulden, dass in der Stadt schneller als 50km/h gefahren wird. Die Konsequenz ist doch nur, dass immer mehr Leute schneller als 50km/h fahren. “Schneller” zu fahren wird zum “common sense”, zur anerkannten Illegalität. Bis etwas passiert. Dann meinen aber alle, auch und gerade die, die “schneller” fahren plötzlich, dass dann doch Entschädigungen zu zahlen und Bestrafungen zu fordern sind, sich freuend, dass sie nur nicht erwischt worden sind.Ich möchte mal sehen was Frank sagt, wenn ich eines seiner Bücher kopiere und kostenfrei ist Netz stelle. Oder es auf Papier kopiere und meinen Freunden zur Verfügung stelle. Ganz privat versteht sich.

    In diesem Sinne

    egbert

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