Hin und wieder gönne ich mir mit ein paar befreundeten Fotografen ein Shooting an einer tollen Location oder wie probieren mal etwas eher aussergewöhnliches im Studio aus. Das Ziel ist eigentlich immer ein paar Bilder zu bekommen, die man nicht jeden Tag fotografieren kann.

Im November 2019 war es dann mal wieder soweit, wir wollten ein hübsches Model fotografieren und dabei Wasserballons platzen lassen. War ein toller Spaß und es sind ein paar klasse Fotos dabei entstanden. Eines davon ist mein Foto „no life without water”.

„no life without water” | by Frank Eckgold | Model: MissFay

„no life without water” | by Frank Eckgold | Model: MissFay

Nun aber zum technischen Aspekt der Geschichte. Ich möchte dir zeigen, wie Du mittels etwas Technik und einem Helfer deine eigenen mit Wasser gefüllten Luftballons zum  Platzen bringst und das ganze auch noch fotografieren kannst.

Du benötigst dazu mindestens einen Blitz (in meinem Beispiel war es auch nur 1 Blitz), einen Hochgeschwindigkeits-Trigger der auch das auslösen per Sound unterstützt (Wir nutzen im Studio den Pluto-Trigger, der Trigger bei Amazon.de) und jemanden, der dir bei dem Shooting assistiert.

Der Trigger und was ist das überhaupt?

Ein Pluto-Trigger auf einer Canon EOS
Ein Pluto-Trigger auf einer Canon EOS

Für ganz bestimmte Situationen benötigst Du einen sogenannten Hochgeschwindigkeits-Trigger. Der Begriff „Trigger” ist dabei nichts weiter als die englische Bezeichnung für einen Auslöser. Es dreht sich dabei also um einen Hochgeschwindigkeits-Auslöser!

Und wofür brauchst Du einen Hochgeschwindigkeits-Auslöser? Den brauchst Du immer dann, wenn Du eine schnelle Bewegung oder Aktion fotografieren möchtest. Denn die Elektronik und Messtechnik ist meist schneller und akkurater als Deine eigenen Möglichkeiten zur Erfassung von Bewegung und deine Reaktionsfähigkeit. Autsch, das war jetzt persönlich, Sorry dafür.

Ich möchte dir anhand zweier Beispiele zeigen worum es da genau geht, also bei der Hochgeschwindigkeit. Die Beispiele sind so ganz ohne nackte Haut und Wasserballons, auch hierfür ein Sorry.

Ein Wassertropfen mit Hochgeschwindigkeits-Trigger fotografiert
Ein in Wasser eintauchendes Objektiv mit Hochgeschwindigkeits-Trigger fotografiert

Und wie genau wir das angestellt haben, zeige ich dir nun. Beide Beispiele zeigen eine Situation, die nur für Bruchteile einer Sekunde zu sehen sind. Und ich meine wirklich Bruchteile. Vom menschlichen Auge nicht oder doch nur kaum zu erfassen. So etwas ohne einen entsprechenden Hochgeschwindigkeits-Trigger zu fotografieren ist schon ein Kunststück und erfordert viel Geduld und Glück.

Mit einem Trigger kann man das ganze abkürzen und es jederzeit reproduzieren. Da wird dann nichts dem Zufall überlassen. Der Trigger sorgt im Grunde dafür, dass im richtigen (winzig-kurzem) Augenblick die Kamera ausgelöst wird. Oder eben ein Blitz. Dazu musst Du den Trigger einfach nur konditionieren. Festlegen, auf welche Weise die Bewegung erfasst werden soll. Das kann beispielsweise eine sogenannte Laserfalle (das Objekiv wurde mittels Laserfalle fotografiert) sein oder ein Geräusch das bei dem Ereignis entsteht.

Für unser Shooting mit den Ballons haben wir das Mikrofon des Triggers genutzt. Das Platzen des Luftballons erzeugte ein Geräusch und dieses Geräusch sollte den Trigger zum auslösen animieren, was auch funktioniert hat. Und wie genau das funktionierte, zeige ich dir jetzt.

Die Vorbereitung

Okay, ich versuch mal es der Reihe nach zu erklären…

Du brauchst:

  • Lange Luftballons
  • Klemmen für Gefrierbeutel
  • einen Stab, so ca. 1,5m lang
  • eine Nadel
  • Klebeband um die Nadel an der Stabspitze zu befestigen
  • den Trigger
  • einen Blitz mit Synchronbuchse
  • ein Wasserbecken, wir hatten ein 3,5m  Planschbecken im  Einsatz
  • Kamera & Stativ
  • ein Stativ um den Trigger in der nähe des Wasserballons zu positionieren
  • eine ausreichend lange Kabelverbindung vom Trigger zum Blitz
  • ein enthusiastisches Model

…und all das, was ich vergessen habe hier aufzulisten.

Beginnen kannst Du mit dem Aufbau des Wasserbeckens, dass natürlich dazu dient, das Wasser aufzufangen damit das Studio nicht unter Wasser gesetzt wird. Es wurde in unserem Fall ebenso als Depot für die gefüllten Ballons genutzt.

Bringe die Kamera (auf Stativ) und den Blitz in Position, weiter unten findest Du eine Skizze für so ein Set. Bei meinem Beispiel hatten wir den Blitz mit einem Beauty Dish & Wabe ausgestattet. Ich empfehle mit einer geschlossenen Blende zu fotografieren, damit ausreichend Schärfentiefe vorhanden ist. Es macht wenig Sinn, das wegspritzende Wasser in der Unschärfe versauern zu lassen. Die Lichtleistung des Blitzes stellst Du entsprechend der gewählten Blende ein. Mein Foto entstand mit einer Blende f11.

Verbinde den Blitz mittels Synchronkabel mit dem Trigger. Es wird hierbei nämlich der Blitzz ausgelöst und nicht die Kamera. Der Grund liegt in der Geschwindigkeit. Wird die Kamera mittels Trigger ausgelöst (und die Kamera löst dann den Blitz aus), dann ist das Wasser schon deutlich auf seinem Weg ins Wasserbecken wenn das Foto entsteht. Also bleibt nur der Weg den Blitz auszulösen. Und jetzt wird unbequem, denn die Kamera stellst Du auf eine Belichtungszeit von ca. 2sec ein. Also eine Langzeitbelichtung. Dazu weiter unten mehr…

Jetzt muss nicht mehr viel vorbereitet werden. Fülle einige Ballons mit Wasser und befestige die Nadel an einem Ende der Stange. Die Gefrierbeutelklammern kannst Du zum verschliessen der Ballons verwenden, ist einfacher und schneller als ein Verknoten. Ach so, den Trigger kannst Du schon mal mit einem Stativ oder ähnlichem ganz in der Nähe der Position des Models positionieren, am besten so, dass der Trigger und das Stativ nicht im Foto zu erkennen sind.

Dann kannst Du prüfen, ob der Trigger bei einem Geräusch auch tatsächlich auslöst. Bei dem Pluto-Trigger geschieht dies mittels einer App fürs Smartphone oder Tablet. In der App kann ich dann die empfindlichkeit des Triggers einstellen sowie die Verzögerung des Auslösens.

Häh? Wieso denn jetzt eine Verzögerung eines Hochgeschwindigkeitsauslösers? Ganz einfach, der Trigger ist dann doch etwas zu schnell.

Der Hochgeschwindigkeits-Trigger muss etwas eingebremst werden
Der Hochgeschwindigkeits-Trigger muss etwas eingebremst werden

Das Foto oben ist bei einem Test zum Wasserballon-Shooting entstanden. Es zeigt die Nadel, die in den Ballon eindringt und man kann gut erkennen, dass der Ballon auf den ersten Zentimetern aufplatzt oder aufreisst. Aber Du möchtest ja nicht den Ballon fotografieren, sondern das Wasser! Also muss der Trigger mit einer leichten Verzögerung auslösen. Bei meinem Beispiel mit der sympathischen Kim (das Eingangsfoto) waren es 5ms!

Im Hintergrund ist der Pluto-Trigger zu erkennen, den wir mit einer dünnen Folie vor dem Spritzwasser geschützt hatten. Nun ja, die Folie steht nicht  auf der Du-brauchst-Liste… habbich vergessen, Sorry.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht empfehlen, dass Du das ganze eventuell einfach mal so ganz ohne Model probieren solltest, damit Du dich mit der Technik vertraut machen kannst. Macht wenig Sinn, wenn dein Model den halben Tag im Studio sitzt und Du währenddessen mit deinem neuen Männerspielzeug rumprobierst…

Und wie wirds nun fotografiert?

Okay, gehen wir mal davon aus, dass Du alles soweit ein- und hergerichtet hast.

Abb. 1

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 2

Für mein Beispiel kannst Du das oben gezeigte Set einrichten. Der Typ rechts im Set ist der Assistent, der die Ballons zum platzen bringt. Der Ballon sollte so zum platzen gebracht werden, dass der Stab kaum oder am besten überhaupt nicht im Bild zu erkennen ist. Das spart spätere Retusche mit Photoshop.

Die rote Markierung in Set 2 zeigt die ungefähre Position des Triggers. Der muss, wie schon erwähnt, ziemlich nah an die Stelle positioniert werden, an der der Ballon zum platzen gebracht wird. Ein mit Luft gefüllter Ballon platzt mit einem lauten „PENG”, aber ein mit Wasser gefüllter Ballon platzt mit nur einem leisen „platsch”. Also muss das Mikro nah ran und die Empfindlichkeit in der App entsprechend geregelt werden. Achte darauf, dass auch der Trigger nicht im Bild zu erkennen ist, sonst musst Du später mit Photoshop ran!

Für mein Beispiel hatten wir folgende Belichtungsparameter eingestellt: ISO 100, 2sec & eine Blende f11. Die Blende hatte ich oben schon erklärt, es geht um Unschärfe bei dem Wasser, die wir vermeiden wollten. Interessanter ist allerdings die lange Belichtungszeit. Puhhh…

Also okay, ich hatte ja schon erklärt, warum der Trigger den Blitz auslösen muss. Das bedeutet natürlich, das zwangsläufig die Kamera zu dem Zeitpunkt an dem der Blitz ausgelöst wird schon mit der Belichtung beschäftigt sein muss. Sonst könnten wir uns den Blitz sparen.

Und so könnte das ablaufen, nee, so ist es bei unserem Shooting abgelaufen: Der Michael aktivierte in der App den Geräusche-Sensor. Der Frank löste die Kamera aus, was ein sehr leises Geräusch beim wegklappen des Spiegels verursachte. Dies nahm der Stephan zum Anlass mit der Nadel auf den Ballon einzustechen. Daraufhin fühlte sich der Trigger ob des Geräusches genötigt den Blitz auszulösen. Und kurz darauf beendete die Kamera nach 2sec die Belichtung. Wenn alles gepasst hatte, dann war das Foto im Kasten. Oder auch nicht. Zumindest erklärt dies, warum wir die 2sec Belichtungszeit benötigten. Vielleicht reichen auch 1,5sec… einfach ausprobieren. Auf jeden Fall waren fast alle beteiligten beschäftigt und es kam keine Langeweile auf… Team-Work eben…

Und natürlich muss es im Studio so richtig dunkel sein, die Kamera sollte wirklich nur mit dem Blitzlicht irgendwas belichten, also sollte das Foto ohne Blitzlicht auch bei 2sec einfach Schwarz sein! Und es muss absolute Ruhe im Studio herrschen, sonst löst der Trigger bei jedem Furz aus…

Hab ich was vergessen? Noch fragen? Dann  frag einfach, ich beisse nicht!

Abschließend noch einige nützliche Links aus der Fotoschule:

Wünsche nun viel Spaß beim arbeiten mit Wasserballons.


Tags: Blitzlicht, hochgeschwindigkeitsfotografie, langzeitbelichtung, MissFay, pluto-trigger, Studio, Wasserballon