Workshop und Urheberschaft

Ist der Workshop-Leiter der Miturheber meiner Fotos?

In den vergangenen Jahren habe ich selber vielfach an Workshops teilgenommen. Die im Rahmen einer Fotoschule oder auch sonst angebotene Workshops sind dazu da, uns Wald-und Wiesenfotografen die Möglichkeit zu geben, unsere Fertigkeiten und Fähigkeiten zu verbessern. Angestrebt ist ein Foto, welches in den Fotogalerien der Welt vom jedem Betrachter als „das Foto“ bewertet und betrachtet wird. Kurz gesagt: wir alle wollen das eine Foto!

Zu diesem Zweck besuchen wir meisten irgendwann mehr oder weniger teure oder pädagogisch ausgeprägte Workshops gegen Entgelt. In der Regel sind diese so aufgebaut, oder sollten es jedenfalls sein, dass sich einem theoretischen Teil ein Praktischer anschließt, in dem wir dann unsere Fotos machen. So ist es ja bekanntlich im Bereich der Studio- und Modelfotografie so, egal ob im Bereich von Beauty, Fashion, Portrait oder Akt, das mit zum Workshop ein bestimmtes Model gebucht wird, welches im Rahmen des zuvor theoretisch Erlernten und Erörterten in einem bestimmten von dem Workshop-Leiter voraus geplanten und ausgestatteten Set als dann abgelichtet wird.

Der Workshop-Leiter, dem meistens das Studio ebenso wie die Hintergründe, das Studiolicht, die Blitzköpfe, die Accessoires und alles andere gehört, und der bereits vor unserem Eintreffen zu einem bestimmten Thema des ausgelobten Workshops einige Foto-Sets aufgebaut oder geplant hat, will dem Feld-, Wald- und Wiesenfotografen mit diesen „Voreinstellungen“ gedankliche (geistige) und tatsächliche Arbeit abnehmen, und auch auf die Sprünge helfen.

Letztendlich, jedenfalls in den Anfängen, bestimmt der Workshop-Leiter im Großen und Ganzen das Geschehen. Die Schüler und Teilnehmer brauchen sich nur noch in einer vorher abgestimmten Entfernung zum Model positionieren, welches im jeweiligen Set nach dem Dafürhalten des Workshop-Leiters posiert, und auf dem Auslöser drücken. Licht, Lichtstimmung, Lichtformer, etc. sind durch den Workshop-Leiter meist vorgegeben.

Wenn aber der Schüler nur noch auf den Auslöser drückt, ist er dann tatsächlich Urheber des anschließend entstehenden Fotos ?

Oder ist es vielmehr der Workshop-Leiter, der sämtliche Äußerlichkeiten voraus bestimmt und das Set eingerichtet hat? Oder ist er nur Miturheber oder keines von Beidem?

Um hier Klärung in das Dickicht der Fragen zu bringen, benötigen wir zunächst einen Blick in das Gesetz. Gemäß § 7 UrhG ist der Urheber der Schöpfer eines Werkes. Gemäß § 2 Absatz 1 Nr.5 UrhG sind Lichtbildwerke, einschließlich der Werke die ähnlich wie Lichtbildwerke geschaffen werden, geschützte Werke im Sinne des Urhebergesetzes. Das von mir im Workshop gefertigte Foto würde dem gesetzlichen Urheberschutz unterliegen, wenn ich Urheber bin, und es sich bei dem Foto um ein Lichtbildwerk handelt.

 

Der Begriff der Lichtbildwerke nach § 2 Absatz 1 Nr.5 UrhG ist, so sind sich Rechtsprechung und Literatur einig, weit auszulegen. Es geht hier um eine persönlich geistige Schöpfung, um den Schutz einer kreativ gedanklichen Leistung (= geistiges Eigentum), die sich in einer bestimmten Schöpfung manifestiert. Dies bedeutet zum einen, dass Lichtbildwerke immer nur durch einen Menschen geschaffen werden können, da andernfalls keine persönliche geistige Schöpfung vorliegt. Zum anderen bedeutet es, dass rein maschinell angefertigte Fotos, wie zum Beispiel die einer Radaranlage, den Urheberschutz nicht unterliegen.

Weiter ist Voraussetzung, dass eine gewisse Originalität und Individualität, eine sogenannte künstlerische Gestaltungshöhe, bei der Aufnahme/Herstellung der Fotos vorliegt. Ob es sich bei den „Machern“ um Profis, Amateure oder Hobbyfotografen handelt, ist dabei egal. Selbst ein Künstler, ein anerkannter Künstler, fertigt nicht immer Lichtbildwerke an. Auch spielen Erfahrung und Alter und Zweck keine wesentliche Rolle.
Da sich der Workshop-Leiter vor dem Workshop und seiner Durchführung schon bei der Organisierung des Workshops Gedanken darüber gemacht hat, was er zum Thema der Veranstaltung machen und wie er dies präsentieren will, wie vor allen Dingen die Schüler und Teilnehmer mit welchen Hilfsmitteln und mit welchem Set und mit welchem Model dies alles umsetzen sollen, würde nach den bisherigen Darlegungen auch der Workshop-Leiter Urheber der späteren Fotos sein. Er bringt seine geistige Leistung mit Gestaltungshöhe ein. Diese manifestiert sich in dem später von dem Teilnehmer gemachten Foto.

Zur Beantwortung der Frage, ob das von dem Teilnehmer gemachte Foto ein geschütztes Lichtbildwerk ist, wird in der Rechtsprechung insbesondere auf die Entscheidung des OLG Hamburg vom 05.11.1998 ( 3 U 175/98), dem Urteil bezüglich der sogenannten „Wagner Familienfotos“, zurück gegriffen. Das OLG Hamburg hat in der seinerzeitigen Entscheidung erstmals definiert, das Lichtbildwerke, um unter dem Urheberschutz zu fallen, eine gewisse persönliche und geistige Schöpfung darstellen müssen, die insbesondere einen Grad an Individualität und Gestaltungshöhe aufzuweisen haben. Sie müssen eine individuelle Betrachtungsweise oder künstlerische Aussage des Fotografen zum Ausdruck bringen, die sie von der lediglich gefälligen Abbildung und somit von anderen Fotografen und Fotos ähnlichen Stils abhebt. Lichtbildwerke zeichnen sich im Allgemeinen dadurch aus, dass sie über gegenständliche Abbildung hinaus eine Stimmung besonders gut einfangen, in eindringlicher Aussagekraft eine Problematik darstellen, dem Betrachter zum Nachdenken anregen.

Hierbei kommt es insbesondere in der Abgrenzungssituation darauf an, dass der Fotograf durch den Einsatz von sogenannten Ausdruckstechniken sein später entstehendes Fotos aus der Masse der anderen Fotos zum gleichen Thema differenziert heraushebt. Zu den Ausdruckstechniken zählen die Wahl des Motives, die Wahl des Bildausschnittes oder der Perspektive, die Verteilung von Licht und Schatten, die Kontrasthebung, die Bildschärfe oder auch die Wahl des richtigen Moments bei der Aufnahme.

Eine solche Fotografie muss sich aus der Masse der alltäglichen Bilder herausheben. Eine reine handwerkliche Abbildung des Fotografierten zählt hierbei nicht zu den Lichtbildwerken.

Auch diese zusätzlichen Merkmale erscheinen im Moment, bei erster Betrachtung, nicht dazu geeignet, dem Workshop-Leiter als Miturheber oder als Urheber auszuschließen. Denn, wie Anfangs festgelegt, hat er die wesentlichen Parameter für die Herstellung des späteren Fotos vorab festgelegt.

  • Die Wahl des Motives ist vorausbestimmt (nacktes Mädchen auf Stuhl).
  • Die Perspektive ist festgelegt (Vogelperspektive oder Froschperspektive).

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